Tai Chi fördert die Kunst des Lebens und Lebenskompetenz

Dirk Ortlinghaus

Was bewirkt Tai Chi bei gesunden Personen? Dieser Frage ging Friederike Beier in ihrer Doktorarbeit nach, deren Ergebnisse sie in Auszügen am diesjährigen Kongress des Taijiquan & Qigong Netzwerkes Deutschland e.V. in Frankfurt am Main präsentierte. Die Basis der Untersuchung stellen qualitative Interviews dar. Befragt wurden Tai Chi Spieler aus dem Raum Heidelberg und Bayreuth, die die Bewegungskunst schon seit mehreren Jahren praktizieren. Die Zeitspanne lag zwischen drei und 25 Jahren.

Das Ergebnis fiel recht eindeutig aus: Tai Chi wirkt sich im Alltag aus und lässt eine positive Haltung entstehen. So beschreiben sich die Interviewten als einfühlsamer, achtsamer und entspannter im Vergleich zu früher. Weitere Pluspunkte waren der Zugewinn an Freundlichkeit und Zugewandtheit gegenüber Familie, Freunden und Arbeitskollegen, Toleranz und Kompromissbereitschaft. Ein weiterer wichtiger Aspekt war eine verbesserte Präsenz in alltäglichen Situationen. Diese einhellig als positiv wahrgenommenen Entwicklungsschritte wurden der regelmäßigen Übepraxis zugeschrieben. Die Publikation der Doktorarbeit ist für 2018 geplant.

Die Studienergebnisse deckten sich mit den Erfahrungen der Kongressteilnehmer, wie die anschließende Diskussion zeigte. Tai Chi führt zu einer verbesserten Wahrnehmung des Körpers, somit zu mehr Achtsamkeit und damit verbunden zu einer deutlicheren Bewusstwerdung der eigenen Bedürfnisse. Zugleich verbessert sich das Vermögen, das Leben aktiv den eigenen Bedürfnissen entsprechend zu gestalten. Vor dem Hintergrund meiner Erfahrung ordne ich Tai Chi bei den Methoden zur Entwicklung der Persönlichkeit ein. Das Zusammenspiel von Körper und Geist schafft neue neuronale Netze und hilft dabei, die Lebenseinstellung zu modifizieren und generell neue Handlungsoptionen zu entdecken. Tai Chi verbindet Körperarbeit mit Meditation und Reflexion.

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