Erschöpfung - wie verstehen und was tun?

Dirk Ortlinghaus

In letzter Zeit höre ich immer öfter, dass viele erschöpft sind und sich irgendwie nicht mehr erholen können. Auch in den Medien wird immer wieder darüber berichtet, dass bestimmte Berufsgruppen, wie etwa Mitarbeitende von Kitas und Schulen von verstärkter Erschöpfung betroffen sind. Das ist auch verständlich, da oft diese Berufsgruppen (und natürlich insbesondere die Menschen, die im Gesundheitswesen gearbeitet haben oder arbeiten) sehr viel mehr leisten mussten während der Pandemie. Gleichzeitig mussten wir allgemein mit sehr viel Unklarheit und Unsicherheit umgehen. Neue Herangehensweisen und neue Lösungsansätze mussten gefunden werden.

So ist auch nicht so verwunderlich, dass mehr Menschen denn je in Deutschland über Stressbelastungen klagen. So kommt die Studie „Entspann dich, Deutschland“ der Techniker Krankenkasse zu recht beeindruckenden Zahlen:

64 Prozent fühlen sich mindestens manchmal gestresst und 36 Prozent sogar häufig. "Es zeigt sich, dass der subjektiv empfundene Stress bei den Menschen in den vergangenen Jahren noch einmal signifikant zugenommen hat", so Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK. "Im Vergleich zu unserer ersten Studie von 2013 verzeichnen wir bei den häufig Gestressten einen Anstieg um 30 Prozent.“

Stress und verlängerte Stressphasen haben oft schwerwiegende Folgen, aber auch kürzere Stressphasen zeigen bereits eine Wirkung bei uns: "Neben körperlichen Beschwerden wie zum Beispiel Rückenschmerzen, Kopfschmerzen und Magenbeschwerden kann Dauerstress auch auf die Psyche gehen. Die Bandbreite reicht bis hin zu Erschöpfung und Depressionen", betont Baas.

In der Studie gaben 80 Prozent der häufig Gestressten an, unter Erschöpfung zu leiden. Weitere Symptome sind Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Niedergeschlagenheit und in besonders starken Fällen Depression. Dies spiegelt sich auch in der Entwicklung des Krankenstandes in Betrieben wider. Der Anteil an psychischen Erkrankungen – Erschöpfung gehört mit dazu – liegt bei 20 Prozent und hat somit den höchsten Anteil.

Sicher ist für die nächste Zeit: Die Herausforderungen werden andauern. Corona scheint erst einmal weiter zu bleiben, politische Konflikte bleiben bestehen, große Probleme, wie der Klimawandel werden nur halbherzig angegangen. Dazu kommen aktuell noch steigende Preise für Lebensmittel und Energie.

Wichtig ist die Erkenntnis, dass zwar die genannten Konflikte sich im Außen abspielen und das auch im Außen Lösungen gefunden werden müssen aber diese Herausforderungen auch in unserem Inneren, in unserer Psyche wirken.

Ängste, Sorgen und Nöte stellen aus der Sicht der Chinesischen Medizin für unseren Körper und Geist eine enorme Belastung dar. Es ist, als ob die ganze Zeit an Deinem Energievorrat genagt wird. Das Qi wird verbraucht, ohne dass Du Dir dessen bewusst bist. Diese Erkenntnis der Chinesischen Medizin wird auch durch die Stressforschung gestützt. Stress spielt sich in unserer Psyche ab, wirkt aber auf unseren Körper. Wir haben einen anderen Hormonmix, einen nicht normalen Energieverbrauch, höheren Blutdruck etc.

Deshalb ist es auch sehr wichtig auf einen Ausgleich zu achten. Dabei sollten alle Ebenen berücksichtigt werden. Ganz Chinesisch könnten wir sagen: Körper, Qi und Geist müssen gepflegt werden.

Der Körper wird gepflegt durch gute Ernährung, genug Schlaf und ausreichende Bewegung etc. Das Qi will gepflegt und gesammelt werden durch Nahrung aber auch gute Atmung und natürlich Qi-Übungen. Und last but not least wird der Geist (shen) gepflegt, indem wir bspw. Nachrichten in sinnvollen Maßen konsumieren, lernen abzuschalten, uns immer wieder zentrieren, eine positivere Sicht auf die Dinge gewinnen und einiges mehr.

Für die andauernden Belastungen braucht es also einen Ausgleich und einen zunehmend anderen Umgang mit dem eigenen Leben. Die gute Nachricht ist, dass dies schrittweise erlernbar und ins Leben integrierbar ist.

Hilfreich ist zunächst, eine achtsame Wahrnehmung zu entwickeln, so dass Du die Energieräuber früher wahrnimmst und entsprechen schneller reagieren und Dich schüzten also für Dich selbst sorgen kannst.

Wichtig ist außerdem, dass Du Dir bewusst Auszeiten einrichtest, in denen Du für einen Ausgleich sorgst und Dich wieder regenerierst. In dem Film stelle ich eine Meditation vor, mit der Du Dich „erden“ kannst. Solche Meditationen ermöglichen Dir, besser zur Ruhe zu kommen, aktiv zu entspannen und gleichzeitig Deinen Geist, und Deine Psyche neu auszurichten. Das Gefühl geerdet zu sein, kann Dir Stabilität verleihen, um künftig anders mit Herausforderungen umzugehen.

Ein wichtiges Ziel in der daoistischen Tradition ist es, sich immer mehr als Mensch zu entwickeln. Immer besser zu werden in der Arbeit mit dem eigenen Geist. Wichtige Fähigkeiten sind z.B. Loslassen, Wahrnehmung, Weisheit, Herzensgüte, Mitgefühl, Dankbarkeit, … .

Ich persönlich finde den Ansatz von Rick Hanson sehr hilfreich und wirksam bei der Arbeit mit dem eigenen Geist. Deshalb werde ich diesen Aspekt zunehmend in die Kurse einbauen und mit der Lebenspflege aus dem Qigong und Tai Chi verbinden.

Wenn Du daran interessiert bist, weiter in Deiner Entwicklung voranzukommen, dann gibt es ab September wieder viele Kursangebote. Neben den „klassischen“ Qigong- und Tai Chi Kursen und Bildungsurlauben, wird es auch ein Training „Resilienz stärken – mit positiver Neuroplastizität innere Stärken entwickeln“ geben.

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